Diese Frage stellte man sich als neutraler Beobachter des Punktspiels der Kreisliga B Staffel 1 zwischen dem FV Nimburg und dem SV Bombach. Voller Vorfreude machte man sich auf den Weg nach Nimburg – alte Bekannte treffen, ein hitziges und emotionales Fußballspiel sehen – eben ein Derby Mittag.

Man erinnerte sich zurück, als man in der Kreisliga B noch jeden Sonntag ein Derby hatte, Mannschaften wie Nordweil, Malterdingen, Tutschfelden, Oberhausen und viele andere tummelten sich in der Staffel und bereiteten den Zuschauern Wochenende für Wochenende diese tollen Spiele. Niemand dachte an Spielgemeinschaften niemand dachte daran, dass er am Montag wieder arbeiten musste, oft feierte man gemeinsam in den Sportheimen bis in den Morgen.

Heute ist es nur noch selten, dass man ein solches Derby zu sehen bekommt. Man hofft Jahr für Jahr, dass sich durch Ab- bzw. Aufstieg in der Runde wieder eine solche Konstellation ergibt.

Dann ist es endlich soweit, man steht am Spielfeldrand, hat sich das erste Bier geholt und freut sich auf das was kommen mag. „Hoffentlich kämpfen Sie heute“, sagt der Nebenmann an der Bande. Man jubelt mit der eigenen Mannschaft, man schimpft auf den Gegner. Oftmals ist die Stimmung neben dem Spielfeld aufgeheizter wie auf dem Spielfeld.

Anpfiff, schon zu Beginn merkt man, dass sich beide Mannschaften nichts schenken werden. Man kennt sich; aber für 90. Min. vergisst man das. Ein richtiges Spiel kommt nicht zustande, weil einer dagegen ist. Der 23. Mann auf dem Platz macht was er will. „Hast du auch mal Fußball gespielt? Weißt du was ein Derby ist“ ruft einer auf das Spielfeld. Scheinbar weiß er es nicht und holt sich damit den Unmut der Spieler und der Zuschauer ab.

Bombach liegt kurz vor der Pause durch einen Elfmeter zurück, kassiert nur Minuten später noch den zweiten Treffer. 0:2 zur Pause, viele erinnerten sich an das Hinspiel, da stand es 1:3 zur Pause, auch da lag man zurück. „Da ist noch was drin“, sagt mein Nebenmann, während ich verdutzt auf den Schiri schaue der noch immer auf dem Feld steht und mit dem Spielführer des SVB diskutiert. „Er will das Spiel abbrechen“ sagt dieser zu uns, ist Ihm zu hart, zu viele Kommentare auf und neben dem Platz. Verwundert reiben wir uns die Augen. Es ist ein Derby, eines der wenigen Derbys und wir sahen nicht ein grobes Foul.

Tatsächlich kommt er wieder, pfeift die zweite Halbzeit an. Bombach verkürzt auf 1:2, der Jubel ist groß bei den Besuchern aus Bombach. „Jetzt sind wir dran“, kommentiert mein Nebenmann. Doch das Glück hat Bombach an diesem Tag nicht auf seiner Seite. Der Spielführer fälscht eine Nimburger Flanke unglücklich ab, 3:1. Zudem eine gelb-rote Karte, aus dem nichts, komisch. Es folgt das 4:1 kurz vor Schluss, ich verabschiede mich höre auf dem Weg zum Auto noch einen pfiff, OK, es ist vorbei.

Zuhause lese ich Spiel abgebrochen, in der 89. Min., was war denn da los? Er hat es geschafft denke ich mir, er hat gemacht was er will.

Wieviel Derby darf ein Derby sein?

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